Erfahrungsbericht: „Von der Regelgruppe ins neue Intensivteam“
Ich arbeite seit acht Jahren in der stationären Jugendhilfe. Die meiste Zeit war ich in einer Regelwohngruppe. Die Arbeit hat mir gefallen, ich hatte ein gutes Team und kannte ‚meine‘ Jugendlichen. Trotzdem hatte ich immer öfter das Gefühl, da geht noch mehr. Ich wollte näher dran sein an den Kindern, die wirklich am Limit sind. Und gleichzeitig hatte ich Respekt davor, ob ich das aushalte.
Als ich von der Intensivpädagogik gehört habe, war ich zuerst neugierig. Dann kamen die Zweifel. Schaffe ich die Belastung? Wie wird der Schichtdienst? Was passiert in Krisensituationen? Im Karrieregespräch bei der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim konnte ich diese Fragen einfach so stellen. Ohne Bewerbungsmappe, ohne Druck. Mir wurde sehr klar erklärt, wie das neue Team aufgebaut wird, welche Unterstützung es gibt und dass ich eine feste Mentorin an die Seite bekomme.
Der Einstieg war intensiv. Natürlich. Es gibt Tage, an denen viel auf einmal passiert. Aber ich habe gemerkt. Ich bin nicht allein. Wir sind im Team mit Lehrkräften und Therapeut*innen unterwegs, wir besprechen Fälle, wir haben Supervision.
Ein Moment ist mir besonders im Kopf geblieben. Ein Junge, der seit Wochen komplett schulabstinent war. Morgens Streit, Tränen, Türenknallen. Immer wieder Gespräche mit ihm. Mit der Schule. Mit dem Jugendamt und seinen Eltern. Viel Arbeit. Und lange sah es so aus, als würde sich nichts verändern. Eher noch die Frustration wachsen. Dann kam dieser Morgen, an dem er mit Hoodie und Rucksack im Flur stand und nur sagte. „Ich probiere es heute.“ Ich bin mit ihm bis zur Schule gelaufen und habe gewartet, ob er wieder umdreht. Er ist geblieben. Nach der ersten Stunde kam er raus und meinte. „War gar nicht so schlimm.“ Es war nur ein Schultag. Aber für ihn und für uns ein riesiger Schritt.
Und solche Momente erlebe ich in der Intensivpädagogik häufiger. Wenn ein Kind, das jede Nähe abgeblockt hat, sich irgendwann von mir beruhigen lässt. Wenn eine Schülerin zum ersten Mal eine Klassenarbeit zu Ende schreibt. Diese kleinen Schritte fühlen sich für mich heute genau richtig an.
Heute würde ich sagen. Der Schritt ins Intensivteam war groß. Aber er war genau der richtige.