EJG & SGL Veranstaltung „Kindheit rechts außen“: über den Umgang mit extrem rechten Familien und Kinderschutz
Im Rahmen der Woche der Erziehungshilfe fand am 2. September 2025 die Veranstaltung „Kindheit rechts außen“ der ev. Jugendhilfe Godesheim und stadtgrenzenlos im Universitätsclub Bonn statt. Rund 22 Mitarbeitende der ev. Jugendhilfe Godesheim und der stadtgrenzenlos nahmen daran teil, um sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, das in der sozialen Arbeit zunehmend an Bedeutung gewinnt: Wie können wir Kinder aus extrem rechten Familien schützen und ihnen ein demokratisches Aufwachsen ermöglichen?
Zum Einstieg waren die Teilnehmenden eingeladen, ihre eigenen Vorerfahrungen einzuschätzen: „Wie gut kenne ich mich mit Rechtsextremismus aus?“ Und „hatte ich bereits Kontakt zu rechtsextremen Familien?“ Die Antworten machten deutlich, wie unterschiedlich das Vorwissen und die Erfahrungen im Kollegium sind – aber auch, wie sehr das Thema alle Fachbereiche betrifft.
Im nächsten Schritt wurde erläutert, wie der Begriff Extremismus im Kontext der Veranstaltung verwendet wird. Da er ursprünglich aus der Sprache des Verfassungsschutzes stammt, ist eine pädagogisch-soziologische Definition nötig. Um Rechtsextremismus besser zu verstehen, wurden neun zentrale Merkmale vorgestellt: Rassismus, Antisemitismus, Chauvinismus, Nationalismus, autoritäres Denken, Sozialdarwinismus, Verharmlosung des Nationalsozialismus, Sexismus und Heteronormativität. Diese Merkmale verdeutlichen eine gemeinsame Grundannahme: die Vorstellung von der Ungleichwertigkeit von Menschen.
Kinder, die in solchen Ideologien aufwachsen, übernehmen häufig diese Sichtweisen. Ihnen wird ein tiefes Misstrauen gegenüber der Außenwelt vermittelt. Manche Eltern betrachten ihre Kinder sogar als „Werkzeug“ zur Weitergabe politischer Überzeugungen. Dies kann zu schweren Loyalitätskonflikten führen – etwa zwischen Familie und Freundeskreis oder gegenüber Lehrkräften. Zudem sind viele dieser Kinder psychischer oder körperlicher Gewalt sowie Vernachlässigung ausgesetzt, weil sie „abgehärtet“ werden sollen.
Erst in Kindergärten und Schulen begegnen sie häufig erstmals demokratischen Werten und einer vielfältigen Gesellschaft. Rechte Eltern versuchen dem durch gezielte Gegenmaßnahmen – etwa durch ideologisch geprägte Freizeitaktivitäten wie Zeltlager – entgegenzuwirken.
Im zweiten Teil der Veranstaltung arbeiteten die Teilnehmenden in Gruppen an einem Fallbeispiel: einem Sorgerechtsstreit, bei dem eine Seite dem rechtsextremen Milieu nahesteht. Die Diskussion aus unterschiedlichen Perspektiven führte zu konkreten Handlungsempfehlungen für die Praxis:
- Betroffene Kinder konsequent schützen,
- eine klare Haltung zeigen und
- Unterstützung einholen, wenn sie benötigt wird.
Die Fortbildung hat das Bewusstsein für die Herausforderungen im Umgang mit extrem rechten Familien deutlich geschärft. Viele Teilnehmende wünschten sich eine Vertiefung dieser wichtigen Thematik – um noch besser auf die Bedürfnisse der betroffenen Kinder reagieren zu können.

