Beteiligung

Hast Du das Wort Partizipation schon einmal gehört???
Kann ich verstehen, dass Du jetzt erstaunt guckst. 
Ist auch ein schweres Wort und kommt einem nicht so leicht über die Lippen. Aber, es ist gut zu wissen, was sich hinter dem Wort verbirgt. Also, nimm Dir ruhig mal ein bißchen Zeit und lies in Ruhe, was das mit der Partizipation so auf sich hat.
Partizipation bedeutet Teilnahme und es geht um Deine Beteiligung an allem, was Dich betrifft. Es gibt Kinderrechte, die gesetzlich festgeschrieben sind. Beteiligung ist eines dieser Rechte, denn: Du bist Experte in eigener Sache und hast das Recht Dein Leben mitzugestalten und Dich einzumischen...
Wie alles im Leben, will auch das Einmischen gelernt sein. Aber keine Angst, das kann man üben. Und beim Üben helfen Dir die Erwachsenen. Sie beraten und informieren Dich, damit Du Dir eine eigene Meinung bilden kannst. Manchmal ist es nämlich gar nicht so einfach, sich eine eigene Meinung zu bilden, diese vor anderen zu vertreten und vielleicht auch einmal gegen den Strom anderer Meinungen zu schwimmen. 
Darum ist es wichtig, 
 - dass Du lernst, Deine Meinung, Deine Hoffnungen, Deine Interessen zu vertreten.
 - dass Du lernst, Dein Leben aktiv zu beeinflussen.
 - dass Du Deine Rechte und Deine Pflichten in der Gesellschaft kennen lernst.
 - dass Du lernst, wie sich Verantwortung anfühlt und wie Du Verantwortung 
   übernehmen kannst.

Es gibt sehr viele Partizipationsprojektegroße und kleine
Mit "den Kleinen" meine ich die Beteiligungsmöglichkeiten, die sich jedem von uns täglich bieten und bei denen es darum geht, Sachen im Miteinander auszuhandeln. Zum Beispiel
 - welches Buch wird heute abend vorgelesen?
 - spielen wir nachher Kniffel oder gehen wir skaten?
 - kann ich aushandeln, dass ich mein Zimmer später aufräume?
 - was kochen wir am Wochenende?
 - und so weiter...

Mit "den Großen" meine ich zum Beispiel so etwas Spannendes wie die gemeinsame Entwicklung eines Rechtekataloges. So ein großes Projekt haben wir mit allen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen gemacht. Wir haben uns über die Menschenrechte informiert. Jede Gruppe hat das mit ihren Kids anders gemacht: es wurde vorgelesen, es wurden Filme geschaut, Spiele gemacht, in Gruppenabenden diskutiert, Ausflüge gemacht, in der Gottesdienstgruppe gemalt und vieles mehr. Alle Kinder und Jugendlichen, die in der Ev. Jugendhilfe Godesheim betreut werden, sollten die Möglichhkeit haben, den Inhalt unseres Rechtekataloges mit zu erarbeiten. Nicht alle waren interessiert, aber das ist nun einmal so im Leben, manche mischen mit, andere lehnen sich zurück. 
Im Laufe des Jahres kristallisierten sich 11 Rechte für uns heraus, die unbedingt im Rechtekatalog stehen sollten:
1. Ich habe ein Recht auf Gleichberechtigung
2. Ich habe ein Recht auf persönliche Kontakte
3. Ich habe ein recht auf Freizeit mit Spiel, Sport, Ruhe und Privatsphäre
4. Ich habe ein Recht auf Bildung und Erziehung
5. Ich habe ein Recht auf meinen Glauben
6. Ich habe ein Recht auf meine freie Meinung
7. Ich habe ein Recht auf Schutz (Menschenwürde)
8. Ich habe ein Recht auf mein Eigentum
9. Ich habe ein Recht auf Beteiligung und auf Eigenverantwortung
10. Ich habe ein Recht auf Beschwerde und Verbesserungsvorschläge
11. Ich habe ein Recht auf persönliche Zuwendung, auf Wertschätzung und eine freundliche Umgebung

Und das feierten wir dann an unserem Aktionstag Menschenrechte. Hier gab es an vielen Ständen viel zu entdecken
Das Thema Gleichberechtigung wurde durch Fotocollagen dargestellt: eine Geschichte spiegelte die Erfahrung, die bei Bewerbungen um eine Lehrstelle gemacht wurden und zeigte, dass deutsche und ausländische Jugendliche nicht gleichberechtigt behandelt wurden. Eine weitere Fotostory sensibilisierte mit ihren Bildern, dass Gleichberechtigung leider nicht selbstverständlich ist und zeigte ein verzweifeltes Mädchen, das durch ihren "Freund" brutal bevormundet wurde. Persönliche Kontakte wurden durch Briefe, Verabredungen, Telefonate und Freunde demionstriert. An dem Stand hatte man die Möglichkeit selbst mit zu malen und seinem Recht auf persönliche Kontakte Ausdruck zu geben.
Das Recht auf Freizeit und Spiel lud mit Geschicklichkeits- und Teamspielen wie Eisschollenhüpfen zum Mitmachen ein. Das Recht auf Bildung und Erziehung präsentierten die Kinder der Tagesgruppen vielschichtig, denn ein Ausflug in den Wald erweitert den Horizont ebenso wie der Besuch eines Museums, eben nur auf anderem Gebiet. Das Recht auf persönlichen Glauben wurde durch Spezialitäten verschiedener Nationen veranschaulicht. Das schmeckte ausgezeichnet. Gleich zwei Aktionen demonstrierten das Recht auf eine freie Meinung. Zum einen gab es auf einem Torbogen eine Collage aus Zeitungen, die Konflikte im sozialen Miteinander zeigten. Dazu konnte man sich dann mit einem Sprachrohr äußern. Zum anderen gab es einen Stand, an dem man, wenn man wollte, anonym seine Meinung aufschreiben und diese dann entweder öffentlich ausstellen oder per Gasballon in den Himmel schicken konnte. 
Das Recht auf Schutz wurde auf großen Plakatwänden mit sehr informativem Text- und Bildmaterial dargestellt. Außerdem gab es dazu einen von Jugendlichen selbst gedrehten Film, der die Wichtigkeit eines eigenen Schutzraumes zeigte. Das Recht auf Eigentum wurde mit einer lustigen Dagobert-Duck-Plakat-Aktion dargestellt, alle konnten sich darauf verewigen, indem sie etwas auf dem Plakat hinzufügten, was ihnen persönlich als Eigentum wichtig wäre. Das Recht auf Beteiligung wurde in einem selbst gedrehten Film dargestellt. Hier ging es um Hilfeplangespräche und wie ebensolche mit Beteiligung der Jugendlichen gut, beziehungsweise ohne Beteiligung schlecht verlaufen können. Außerdem gab es ein „Spiel des Lebens“, dort wurde man zum Teil durch eigene Entscheidung, zum Teil durch Glück zu verschiedenen Situationen gelotst und konnte so erfahren, dass manches im Leben durch eigene Verantwortung geschieht. Das Recht auf Beschwerde wurde mit einer Beschwerde-Aktion dargestellt. Es gab Zettel, die man sowohl mit Beschwerden, als auch mit Verbesserungsvorschlägen beschriften konnte, dazu gab es wichtige Hinweise, wie man solche Beschwerden sinnvoll formulieren kann. Das Recht auf persönliche Zuwendung, auf Wertschätzung und eine freundliche Umgebung wurde in einem Wohlfühlpavillon veranschaulicht. Hier gab es bequeme Sitzmöglichkeiten, ein Kaltgetränk, etwas zum Naschen, Menschen, mit denen man angenehm ins Gespräch kommen konnte und zum Abschluss bekam jeder einen Button auf dem stand: Ich bin OK. 

Der Aktionstag war ein sehr gelungener Tag, es gab Kuchen,Pommes, Steaks und Würstchen, jede Menge Getränke, was nötig war, denn es war schön warm und das Beste: Die Stimmung war einfach gut! Hier wurde mit vielen Menschen Partizipation gelebt und das tat gut!

Und, es ging noch weiter, denn wir wollten den Rechtekatalog nicht nur in unseren Köpfen haben, sondern auch in unseren Händen halten und weitergeben. Wir schrieben einen Malwettbewerb aus. Rund 40 Kinder und Jugendliche haben an dem Malwettbewerb der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim teilgenommen. Viele bunte Bilder und auch Kollagen zum Thema Kinderrechte trafen bei uns ein. Die Jury hatte es nicht leicht, die Preise zu verteilen, denn alle hatten sich beim Malen große Mühe gegeben. 
Nun aber stehen die Gewinner fest:.
Die Gewinner einer Fesselballonfahrt sind:Stefan, Kevin und Patrick. 
Die Gewinner eines Gutscheins für eine CD oder ein Spiel sind: Nina, Aylin, Angelo, Calvin, Markus, Vanessa, René und Yannik. Alle wurden persönlich von uns benachrichtigt. Herzlichen Glückwunsch sagen wir allen Gewinnern, und bedanken uns ganz herzlich bei allen Kindern und Jugendlichen fürs Mitmachen. 
Die prämierten Bilder werden wir in unserm neuen Rechtekatalog abdrucken und ihr könnt sie Euch schon mal vorab auf dieser Seite anschauen. Viel Spaß dabei!!!



 Recht auf Beteiligung und Eigenverantwortung, Patrick

Recht auf meinen Glauben, Kevin

Recht auf persönliche Kontakte, Stefan


Recht auf meine freie Meinung, Aylin

Recht auf Bildung, Vanessa

Recht auf Freizeit, Angelo


Recht auf freundliche Umgebung, Nina


Recht auf Eigentum, Yannik


Recht auf Beschwerde, René


Recht auf Schutz, Calvin


Recht auf Gleichberechtigung, Markus